Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Weiße Marmorgruppe
- Sitzende Figur des Dichters
- Eingemeißelte Zeile
- Dunkle Münze im hellen Stein
Die Geschichte des Ortes
Einst trug der Platz den Namen Gisela, der Tochter von Kaiser Franz Joseph. Seinen heutigen Namen erhielt er von dem Dichter Mihály Vörösmarty, der inmitten einer marmornernen Menge sitzt: eines Arbeiters mit Hammer, eines Bauern, eines Schülers, einer Mutter mit Säugling, eines Studenten und eines Mannes in ungarischer Festtracht. Die Bildhauer wählten für diese Gruppe weißen Carrara-Marmor, und mitten auf dem offenen Platz sitzt der Dichter unter Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Berufe.
Unter dem Granitbelag des Platzes sind Anschlusspunkte für Marktstände verborgen. Sie wurden beim Umbau im Jahr zweitausendneunzehn installiert: Der saisonale Handel ist hier durch die Gestaltung des Platzes selbst vorgesehen. In der Mitte der Marktstände bleibt eine weiße Marmorgruppe stehen – sie erklärt auch den Namen des Platzes.
Über den anderen Figuren sitzt Mihály Vörösmarty, ein ungarischer Dichter und Verfasser des Szózat (Aufruf). Mitte der achtzehnhundertdreißiger Jahre löste der Wiener Hof den Siebenbürgischen Landtag auf, stellte einen der Anführer der ungarischen Opposition vor Gericht und ordnete an, sie in den Komitaten zu unterdrücken. Vörösmarty antwortete mit einem Gedicht über die Treue zur Heimat selbst angesichts eines möglichen Untergangs des Landes. Nach der Veröffentlichung lernte man es auswendig, und im Jahr achtzehnhundertdreiundvierzig wurde der Text vertont. Während der Revolution des Jahres achtzehnhundertachtundvierzig sangen ungarische Soldaten das Lied.
Die Niederlage änderte das Verhältnis des Dichters zu seinen eigenen Zeilen. Wenn man ihm sagte, der von ihm vorhergesagte Untergang sei bereits eingetreten, widersprach Vörösmarty zornig. In einem erhaltenen Exemplar strich er eigenhändig die zwei düstersten Strophen durch. Die ersten Worte des Szózat (Aufruf) sang man jedoch weiterhin als zweite ungarische Nationalhymne – gerade für sie erhielt der Dichter ein Denkmal und gab dem Platz anschließend seinen Namen.
Im Jahr neunzehnhundert nahm sich der Journalist Jenő Rákosi, Vorsitzender des Budapester Klubs der Schriftsteller und Zeitungsleute, vor, für Vörösmarty ein Denkmal in der Hauptstadt zu erwirken. Er wollte, dass der Szózat (Aufruf) eines Tages vor dem Bildnis seines Verfassers erklinge. Die Stadt bot dem Komitee den Gisela-Platz an – so hieß dieser Ort damals nach der Tochter von Kaiser Franz Joseph. Das Sammeln von Geld, zwei Wettbewerbe und die Ausführung des Denkmals nahmen acht Jahre in Anspruch.
Unter den Spenden traf ein Brief aus Ungwar ein – so hieß das heutige Uschhorod damals. Er stammte von János Liskai, einem ehemaligen Bankdirektor und Händler, der nach dem Wiener Börsenkrach sein Vermögen verloren hatte und von kirchlicher Wohltätigkeit lebte. Aus seinem früheren Leben war ihm eine silberne zwanzig-Kreuzer-Münze geblieben, ein Geschenk seiner Mutter. Liskai gab sie dem Komitee und bat darum, sie in das künftige Denkmal einzuschmelzen: Dann werde, schrieb er, niemand mehr seinen letzten Schatz stehlen.
Die Bildhauer Ede Kallós und Ede Telcs, die den Wettbewerb gewonnen hatten, wählten für das Denkmal nicht Bronze, sondern weißen Carrara-Marmor. Liskáis Bitte buchstäblich zu erfüllen, wurde damit unmöglich. Daraufhin ordneten Rákosi und Bürgermeister István Bárczy an, die Münze an einer sichtbaren, aber unzugänglichen Stelle in den Sockel einzulassen.
Kallós und Telcs umgaben den sitzenden Vörösmarty mit Menschen, die den Szózat (Aufruf) singen oder ihm zuhören. Ein Arbeiter legte seinen Hammer beiseite und umarmte seine Frau und seinen Sohn; daneben stehen ein Bauer, ein Schüler, eine Mutter mit einem Säugling, ein Student und ein Mann in ungarischer Festtracht. Am vierundzwanzigsten Mai neunzehnhundertacht füllte sich der Platz mit Publikum, ein Universitätschor führte das Lied in Begleitung von vier Waldhörnern auf, und Rákosi übergab das Denkmal der Stadt. Achtzehn Jahre später erhielt der ehemalige Gisela-Platz den Namen Vörösmarty-Platz.
Unter der eingemeißelten Zeile „Sei der Heimat unerschütterlich treu, Ungar“ ist im hellen Stein ein kleiner dunkler Punkt zu sehen. Es ist die geschwärzte Silbermünze von János Liskai – genau dort eingelassen, wo man sie nicht forttragen kann.
Praktisch vor Ort
Offener städtischer Platz; Öffnungszeiten von Cafés, Märkten und Veranstaltungen bitte gesondert prüfen.
Geprüft: 25. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Der Platz bleibt ein lebendiger öffentlicher Raum; bei Veranstaltungen betrachten Sie das Denkmal von der zugänglichen Seite, und rechnen Sie einen Cafébesuch als eigenen Halt ein.
