Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Betonbauten des Markts
- Gemüsestände
- Fleischstände
- Fischstände
Die Geschichte des Ortes
Hinter den Betonbauten mit Gemüse-, Fleisch- und Fischständen verbirgt sich ein Platz, der lange die ganze Stadt im Großhandel versorgte. Hierher brachte man Ernten aus den Vororten, und Händler kauften sie partienweise für Geschäfte in Bordeaux und Umgebung; Einkäufe für den Haushalt waren nur ein Teil des Geschäfts. Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts errichtete man über dem Handel zwei Eisenpavillons mit einer gläsernen Galerie, unter der Pferdefuhrwerke hindurchfuhren und Wagen entladen wurden. Später ersetzte Beton das Eisen, und die großen Großhandelsgeschäfte wanderten auf einen anderen Markt ab; zurück blieb der vertraute tägliche Handel.
Der Markt trägt einen klösterlichen Namen, obwohl die Kapuziner den Handel nicht begründeten, der diesen Ort berühmt machte. Im Jahr sechzehnhunderteins ließ Kardinal François de Sourdis, Erzbischof von Bordeaux, in der Nähe eine Gemeinschaft bettelnder Brüder ansiedeln. Er wies ihnen einen Teil des Pesthospitals zu und wollte in der südlichen Vorstadt eine dauerhafte Gemeinschaft von Predigern verankern. Die Brüder lebten von Almosen und trugen grobe braune Kutten mit einer spitzen Kapuze – auf Französisch „capuce“. Von dieser Kapuze stammt der Name des Ordens, vom Orden die Namen des Couvent des Capucins, des Quartier des Capucins, der Place des Capucins und des Marché des Capucins.
Während der Französischen Revolution wurde die Gemeinschaft aufgelöst. Von ihrem Couvent des Capucins in der Rue du Hamel ist eine überdachte Galerie um einen Innenhof erhalten. Auf der Place des Capucins gibt es schon lange keine Mönche mehr; ihre Kapuze lebt im Wort „Capucins“ fort.
Die eigentliche Geschichte des Markts begann später. Im Jahr achtzehnhundertsiebenundfünfzig wiesen die städtischen Verantwortlichen den Platz einem Markt für den Erstverkauf zu. Die Erzeuger sollten ihre Ernte hierher bringen, und Großhändler kauften sie partienweise, um sie an Ladenbesitzer in Bordeaux und Umgebung weiterzuverkaufen. Der Verkauf an Haushalte an den Ständen war nur ein Teil des Geschäfts. Vor allem verteilte man hier Lebensmittel für die ganze Stadt.
Für die Gemüsegärtner aus Eysines war dieser Markt der Ort, an dem sich entschied, ob sich die angebaute Ernte lohnte. Im Jahr achtzehnhundertsechsundfünfzig ernährte der Gemüsebau dort sechshundertsieben Menschen – jeden vierten Einwohner der Gemeinde, die Lohnarbeiter nicht mitgerechnet. Dreimal in der Woche beluden die Familien ihre Wagen im Voraus, brachen um Mitternacht auf und erreichten Bordeaux um zwei Uhr. Vor dem Markt mussten sie den Octroi passieren – die städtische Zollschranke, an der für eingeführte Waren eine Abgabe erhoben wurde. Offiziell sollte der Handel erst bei Tagesanbruch beginnen, doch einen Teil der Geschäfte schloss man schon früher in den benachbarten Schankstuben ab. Auf dem Platz war jeder Vorstadtgemeinde ein eigener Platz zugewiesen.
Die Wagen kehrten aus Bordeaux mit einer anderen Fracht zurück. Den sandigen Gärten von Eysines fehlte ständig Dünger, deshalb brachten die Landwirte zweimal in der Woche Mist aus der Stadt fort: zunächst von den zahlreichen Pferden, später vom Schlachthof. Die hier verkauften Kartoffeln oder Brunnenkresse brachten der Familie Geld, und die Rückfracht bereitete die nächste Pflanzung vor.
Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts überdachten die städtischen Baumeister den Handel mit zwei Eisenpavillons und verbanden sie durch eine gläserne Galerie. Unter ihr fuhren Pferdeomnibusse hindurch, daneben wurden Wagen entladen, und Groß- wie Einzelhandel gingen bei Tag und bei Nacht weiter. Damals erhielten die Capucins auch den Beinamen „Bauch von Bordeaux“.
Diese Pavillons stehen nicht vor Ihnen. Im Jahr neunzehnhundertsiebenundfünfzig wurden sie abgebaut und durch Betonbauten ersetzt. Nach der Eröffnung des Marché de Brienne im Jahr neunzehnhundertdreiundsechzig hörte der Verkauf großer Partien auf den Capucins allmählich auf. Die heutigen Gemüse-, Fleisch- und Fischstände stehen an der Stelle des früheren Großmarkts, doch die Wagen aus Eysines fahren nicht mehr für den nächtlichen Erlös und die Rückfracht aus Mist hierher.
Praktisch vor Ort
Website des Markts und Fremdenverkehrsamt: Dienstag–Freitag 06:00–14:00, Samstag–Sonntag 05:30–14:30; Montag geschlossen. Die städtische Seite nennt ein kürzeres Zeitfenster, kommen Sie daher für Essen und Einkäufe vor Mittag.
Geprüft: 30. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Kommen Sie in der ersten Tageshälfte und bleiben Sie nicht in den Durchgängen stehen, während die Verkäufer Kunden bedienen. Die historischen Pavillons der Weltausstellung wurden abgerissen; der heutige Markt sollte daher nicht für ein Bauwerk des 19. Jahrhunderts gehalten werden.
