Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Blaues Schild mit dem Namen des Platzes
- Ebenes Pflaster
- Fundament der Flèche Saint-Michel
- Marktstände
Die Geschichte des Ortes
An einem Markttag entstehen rund um die freistehende Flèche Saint-Michel Reihen von Ständen mit Lebensmitteln und gebrauchten Gegenständen; danach bleibt ein breiter, eben gepflasterter Platz zurück. Früher drängte sich hier der Friedhof bei der Kirche. Als man ihn schloss, brachte man die Überreste in die Krypta unter der Flèche Saint-Michel, ebnete das Gelände ein, und der Handel nahm den freigewordenen Platz ein. Oberirdisch erinnert nichts mehr an die frühere Nutzung dieser Fläche.
Meynard auf dem blauen Schild ist der Familienname von Jean-Baptiste Meynard, dem langjährigen Pfarrer der Basilika Saint-Michel. Im Jahr tausendachthunderteinundsiebzig hatte er die Idee, für die Kinder der Gemeinde eine Schule zu eröffnen, und erreichte, dass Bruder Joseph-Marie Marsan, ein erfahrener Lehrer, den man nur ungern von seiner bisherigen Stelle gehen ließ, nach Bordeaux versetzt wurde. Die Schule befand sich gleich nebenan in der Rue de la Crèche; Marsan leitete sie zweiundzwanzig Jahre lang. Nach Meynards Tod im Jahr tausendachthundertfünfundachtzig gab die Stadt dem Platz den Familiennamen des Priesters. So drückten die Gemeindemitglieder von Saint-Michel ihre Dankbarkeit gegenüber einem Menschen aus, der sich nicht nur um Gottesdienste, sondern auch um die Bildung der Kinder des Viertels kümmerte.
Der Platz selbst entstand vor seinem heutigen Namen. Im Jahr tausendsiebenhunderteinundneunzig ordnete die Departementsverwaltung des revolutionären Frankreichs die Schließung des Pfarrfriedhofs rund um die Kirche an. Bestattungen in der Nähe von Gotteshäusern entfernte man damals aus hygienischen Gründen aus den Städten. Hier musste außerdem Land in einem dicht bebauten Viertel freigemacht werden.
Arbeiter öffneten die Gräber, brachten die Knochen in die Krypta unter der freistehenden Flèche Saint-Michel und schütteten die Fläche mit Erde auf. Bei den Räumungsarbeiten entdeckten sie etwa siebzig Körper, die der Boden fast vollständig erhalten hatte. Sie wurden nicht erneut bestattet. Die Körper stellte man aufrecht entlang der Wände der Krypta auf und machte sie Besuchern zugänglich.
Die tatsächlichen Namen kannte niemand, deshalb erfanden Fremdenführer Biografien für die Verstorbenen. Den einen nannte man einen General, der in einem Duell gefallen sei, den anderen einen Lastenträger, der unter einer übermäßigen Last zerquetscht worden sei, den dritten einen lebendig Begrabenen. Das waren für das Publikum geschaffene Überlieferungen. Sicher ist etwas anderes: Die Menschen, die auf dem Pfarrfriedhof bestattet worden waren, standen fast zwei Jahrhunderte lang unter der Flèche Saint-Michel als städtische Sehenswürdigkeit.
Die Ausstellung brachte den Körpern einen zweiten, sehr viel langsameren Tod. Luft, Mikroorganismen und die Berührungen der Besucher zerstörten das Gewebe allmählich. Im Jahr neunzehnhundertneunundsiebzig schloss der Gemeinderat auf Initiative des Bürgermeisters Jacques Chaban-Delmas die Krypta für die Öffentlichkeit. Im Jahr neunzehnhundertneunzig bestattete man die verbliebenen Fragmente auf dem Cimetière de la Chartreuse.
Nach der Räumung des alten Friedhofs ebnete man das Gelände ein. Schon im achtzehnten Jahrhundert bestand daneben ein Markt, als diese Seite von Saint-Michel Place du Marché Neuf genannt wurde; der freigewordene Raum erlaubte den Marktständen, den Platz rund um die Kirche einzunehmen. Heute werden hier an Markttagen wieder Stände mit Lebensmitteln und gebrauchten Gegenständen aufgestellt und anschließend weggeräumt, sodass ein ebenes Pflaster zurückbleibt.
An der Oberfläche gibt es keine Spuren der Gräber. Als Archäologen im Jahr zweitausendelf auf dem Platz zwei Erkundungsschächte anlegten, reichten beide bis zum alten Friedhof. Unter dem Pflaster lag eine Ausgleichsschicht, in der menschliche Knochen mit Kieseln, Holzkohle, Ziegeln und Tierknochen vermischt waren. Nach der Untersuchung wurden die Schächte wieder verfüllt. An der Stelle des Friedhofs blieb erneut die Place Meynard.
Praktisch vor Ort
Der Platz ist rund um die Uhr geöffnet; Märkte und Flohmarktstände wechseln je nach Wochentag, die wichtigsten Zeiten sollten vor dem Besuch auf der städtischen Seite geprüft werden.
Geprüft: 30. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die archäologischen Funde liegen unter dem heutigen Platz und sind gewöhnlich nicht sichtbar. Suchen Sie nicht nach markierten Gräbern: Wichtiger ist hier der Vergleich zwischen der ruhigen Oberfläche und den gestörten Schichten darunter.
