Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Steinerne Fassaden
- Breite Lagertore
- Garonne
- Anlegestellen
Die Geschichte des Ortes
Der Name Chartrons bewahrt die Erinnerung an ein Kartäuserkloster: Schon Ende des vierzehnten Jahrhunderts ließen sich Mönche außerhalb der Stadtmauer nieder, und später blieb ihr Name an der Vorstadt haften. Später kamen Händler hierher, die den Streifen zwischen der Stadt und der Garonne brauchten: Hinter den steinernen Fassaden fanden Büros und Warenbestände Platz, breite Tore führten die Ware zu den Anlegestellen. Die Trauben wuchsen weit von Bordeaux entfernt, doch hier nahm man die Fässer an, ließ sie reifen, verkaufte sie weiter und schickte sie den Fluss entlang zum Ozean. Die Uferpromenade verband Lager, Markt und Flusshafen.
Im Februar achtzehnhundertneunundfünfzig bereitete man am Quai des Chartrons eine ungewöhnliche Auktion vor. Verkauft wurden Tausende Flaschen Château Margaux, Château d’Yquem und Clos d’Estournel, ältere Bestände anderer teurer Weine sowie Schiffe, die dem Handelshaus Veuve Delbos et Fils gehörten. Es war der Ausverkauf eines Unternehmens, das eine Frau von hier aus fast vierzig Jahre lang zu Überseemärkten geführt hatte.
Julie Delbos wurde im Jahr achtzehnhundertacht Witwe. Ihr Mann Jean-Baptiste Delbos, Weinhändler und Mitinhaber des Familienunternehmens, starb und hinterließ ihr zehn Kinder. Die älteste Tochter war achtzehn Jahre alt, der jüngste Sohn zehn Monate. Das Einkommen der Familie hing vom Handel ab: Wein wurde von den Besitzern der Weingüter gekauft, weiterverkauft, an Kunden versandt, und für künftige Lieferungen wurde Geld vorgestreckt. Hätte Julie das Unternehmen einem neuen Teilhaber überlassen oder erneut geheiratet, wäre die Verwaltung von Eigentum und Verträgen an einen Mann übergegangen. Sie lehnte sowohl Heiratsanträge als auch Angebote ab, das Geschäft mit fremden Handelshäusern zusammenzulegen.
Bald erschien auf den Dokumenten der Name Veuve Delbos. Julie beantwortete die Briefe selbst, verfügte über die Immobilien und teilte die Kinder verschiedenen Bereichen des Unternehmens zu. Ihren ältesten Sohn schickte sie nach London: Dort sollte er Käufer suchen und das Büro leiten. Später knüpfte das Unternehmen Verbindungen nach Hamburg, Sankt Petersburg, Odessa, in die Vereinigten Staaten, nach Peru und Chile. Julie leitete alles von Chartrons aus.
Die Adresse war Teil ihrer Kalkulation. Auf dieser Seite der Garonne konnte ein Händler Büro, Weinlager und Zugang zu den Schiffen nahe beieinander halten. Julie gehörten mehrere Häuser an der Uferpromenade – nach der damaligen Nummerierung die Nummern acht, vierzehn und sechzehn. Noch früher hatte die Familie im Haus Nummer vierundvierzig gelebt. Hinter den steinernen Fassaden wurden Geschäfte abgeschlossen, und über den Fluss gelangte die Ware zum Ozean. Im Jahr achtzehnhundertdreiunddreißig besaß das Unternehmen mindestens acht Schiffe: Einige fuhren nach New York und Kalifornien, andere nach Guadeloupe und ins Mittelmeer. Ein Schiff verschwand auf dem Weg nach Charleston. Für Julie bedeutete Seehandel nicht einen abstrakten Geschäftsvorgang, sondern eigene Schiffe, investiertes Geld und das Risiko, eine Ladung vollständig zu verlieren.
Bis zum Jahr achtzehnhundertdreiundvierzig hatte ihr Handelshaus das Recht erhalten, ein Fünftel der Produktion von Château Margaux zu verkaufen. So funktionierte Chartrons: Die Trauben wurden weit von hier angebaut, doch die hiesigen Händler entschieden, welche Fässer zur Reifung lagerten, wem sie angeboten und unter welchem Namen sie ins Ausland versandt wurden.
Der Name der Uferpromenade selbst ist älter als der Weinhandel. Ende des vierzehnten Jahrhunderts ließen sich Kartäusermönche außerhalb der Stadtmauer nieder; die Bordelaiser nannten die Umgebung ihres Klosters Chartrons. Die Mönche gingen fort, doch der Name ging auf die Vorstadt über, in die später ausländische und französische Händler zogen. Sie benötigten den Streifen zwischen der Stadt und der Garonne – mit genügend Platz für Lager und direktem Zugang zum Flusstransport.
In den achtzehnhundertvierziger Jahren übergab Julie die tägliche Leitung ihren Söhnen. Im Jahr achtzehnhundertneunundvierzig verließ sie Bordeaux und starb ein Jahr später. Ohne sie bestand das Handelshaus nicht mehr lange: Schon im Jahr achtzehnhundertsechsundfünfzig begann die Liquidation. Bei der Februarauktion bot man mehr als neuntausend Flaschen Château Margaux eines Jahrgangs und mehr als sechzehntausend des darauffolgenden an. Zusammen mit dem Wein verkaufte man die Schiffe.
An dieser Uferpromenade befanden sich die Häuser, das Büro und die Lager von Julie Delbos. Das Handelshaus Veuve Delbos et Fils und seine Flottille gibt es nicht mehr; die letzte große Unternehmung der Firma hier war der Ausverkauf dessen, was sie nach dem Tod ihrer Inhaberin nicht hatte bewahren können.
Praktisch vor Ort
Die Uferpromenade ist als städtischer Raum zugänglich; der Sonntagsmarkt Chartrons findet nach dem städtischen Plan statt und hängt von Wetter/Ereignissen ab.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Hören Sie abseits des Rad- und Fußgängerverkehrs zu; Sie müssen private Häuser nicht betreten.
