Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Wappen an den Wänden
- Treppen und Galerien
- Ehemalige Unterrichtsräume der Universität
Die Geschichte des Ortes
Vor dem Archiginnasio besaß die Universität Bologna kein gemeinsames Haus: Die Vorlesungen fanden in den Wohnungen der Professoren und in angemieteten Räumen statt. Hier richtete man zehn Unterrichtsräume und zwei große Säle ein, damit die Juristen getrennt von denjenigen studierten, die man damals Artisten nannte: angehende Philosophen, Ärzte, Mathematiker und Naturforscher. Treppen und Galerien sind mit fast sechstausend Wappen bedeckt; auf ihnen stehen der Name des Studenten, seine Heimatstadt und die Landsmannschaft, die ihn zu ihrem Vertreter gewählt hatte. Die Universität hat den Palazzo längst verlassen, und die Stadtbibliothek bewahrt in den früheren Klassen Bücher auf.
Im ersten Studienjahr dieses Palazzo verlor Torquato Tasso sowohl seinen Platz in Bologna als auch das Geld für sein Studium. Der junge Dichter kam im Jahr eintausendfünfhundertdreiundsechzig hierher, um seine Ausbildung fortzusetzen. Das Stipendium hatte ihm der Herzog von Urbino, sein Gönner, gewährt: Ohne diese Unterstützung hätte Tasso nicht an der Universität Bologna studieren können.
Die Universität bestand zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehreren Jahrhunderten, besaß jedoch kein gemeinsames Gebäude. Die Professoren hielten ihre Vorlesungen zu Hause oder in angemieteten Räumen. Die Studenten schlossen sich nach ihrer Herkunft zu Korporationen zusammen und wirkten an der Verwaltung der Studienangelegenheiten mit.
Mitte des sechzehnten Jahrhunderts bemühte sich Papst Pius IV. darum, die Universität nach den Regeln der Gegenreformation umzugestalten. Sein Vertreter in Bologna, Kardinal Carlo Borromeo, und der Stellvertreter des Kardinals, Pier Donato Cesi, erhielten den Auftrag, die verstreuten Schulen unter einem Dach zusammenzuführen. Zwischen eintausendfünfhundertzweiundsechzig und eintausendfünfhundertdreiundsechzig richtete man hier zehn Unterrichtsräume und zwei große Säle ein: für die Juristen und für die „Artisten“ – so nannte man Studenten der Philosophie, Medizin, Mathematik und Naturwissenschaften.
Nun ließen sich die Lehrpläne und das Verhalten der Studenten leichter kontrollieren. Tasso erlebte die neue Ordnung fast sofort. Er verbreitete satirische Texte, die sich über die Wohlanständigkeit der Professoren und seiner Mitstudenten lustig machten. Im Jahr eintausendfünfhundertvierundsechzig wurde er ausgeschlossen, und sein Stipendium wurde eingezogen. Er konnte sein Studium in Bologna nicht mehr fortsetzen. Der neue Gönner Scipione Gonzaga half ihm beim Umzug nach Padua, und ein Jahr später trat der Dichter in Ferrara in die Dienste von Kardinal Luigi d’Este.
Archiginnasio ist die alte Bezeichnung der Hauptschule der Universität. Die Universität nutzte den Palazzo bis zum Jahr eintausendachthundertdrei; seit eintausendachthundertachtunddreißig befindet sich hier die Stadtbibliothek. Die ehemaligen Unterrichtsräume dienen heute als Bücherdepots.
Von den studentischen Korporationen sind an Treppen, in Galerien und Sälen rund sechstausend Wappen erhalten. Bei jedem stehen der Name seines Besitzers, seine Heimatstadt und die „Nation“ – eine Landsmannschaft, zu deren Vertreter ihn die anderen Studenten gewählt hatten. Ihre Wappen bedeckten die Wände gerade zu der Zeit, als die Studenten selbst das Recht verloren, über die Universität zu bestimmen.
Praktisch vor Ort
Der Palazzo ist Mo–Sa 09:00-19:00 geöffnet, sonntags geschlossen. Das Teatro Anatomico und die Sala dello Stabat Mater können nur mit Online-Reservierung und in verfügbaren Zeitfenstern besucht werden; die Bibliothek ist kein touristischer Bereich. Bibliothek: Mo–Fr 09:00-19:00, Sa 09:00-14:00, So und an Feiertagen geschlossen.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Den Hof und die Galerien kann man getrennt von den touristischen Sälen wahrnehmen; den Besuch des Teatro Anatomico plant und reserviert man am besten im Voraus.
