Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Große Kuppel
- Eingang von der Seite des Lustgartens
- Kuppelsaal
Die Geschichte des Ortes
Das Wort „Dom“ ist bei diesem Kirchenbau nur bedingt zutreffend: Eine Bischofskathedra hat es hier nie gegeben. Die deutsche Bezeichnung „Dom“ stammt von einer mittelalterlichen Kollegiatkirche, deren eigener Rat aus Geistlichen die Entscheidungen traf. Die große Kuppel, der Eingang von der Seite des Lustgartens und der geräumige Saal entstanden unter Wilhelm dem Zweiten, der den neuen Kirchenbau für den Hof und für feierliche staatliche Gottesdienste in Auftrag gab. Nach dem Krieg musste der Kuppelsaal wiederhergestellt werden; heute hält hier wieder eine aktive Gemeinde Gottesdienste.
Am dreiundzwanzigsten September neunzehnhundertvierunddreißig betrat Ludwig Müller diesen Dom, um feierlich das Amt des Reichsbischofs zu übernehmen – des einheitlichen Oberhaupts der deutschen protestantischen Kirchen. Müller war ehemaliger Militärpfarrer und ein von Hitler eingesetzter Kandidat. Er wollte erreichen, dass sich die selbstständigen Landeskirchen einer einzigen Führung unterordneten und die christliche Lehre mit der Rassenlehre der Nationalsozialisten verbunden würde.
Die Kirchenleitungen lehnten seine Kandidatur zunächst ab und wählten einen anderen Bischof. Daraufhin verlangte Hitler Neuwahlen. Mit offener Unterstützung des Regimes errangen die Deutsche Christen die Mehrheit – eine Bewegung von Pfarrern und Gemeindemitgliedern, die nationalsozialistische Grundsätze in die Kirche übertrug. Sie wählten Müller zum Reichsbischof.
Für seinen Amtsantritt wählte er den Berliner Dom. Der Kirchenbau war die wichtigste repräsentative Kirche des deutschen Protestantismus: Hier fanden Gottesdienste von staatlicher Bedeutung statt. Eine Bischofskathedra hat es im Dom jedoch nie gegeben. Die deutsche Bezeichnung „Dom“ stammt von einer mittelalterlichen Kollegiatkirche mit einem besonderen geistlichen Rat. Das heutige Gebäude wurde unter Kaiser Wilhelm dem Zweiten als Hofkirche und repräsentatives Zentrum errichtet; deshalb brauchte Müller gerade diese Kuppel, diesen Eingang von der Seite des Lustgartens und diesen riesigen Saal.
Die Zeremonie verlief ungewöhnlich. Kein anderer Bischof weihte Müller: Er selbst legte den feierlichen Eid ab und übernahm die Leitung der Kirche. Im Inneren standen Delegationen der Deutsche Christen, SA-Sturmtruppen und SS-Männer; während des Gottesdienstes hoben die Anwesenden die Arme zum Hitlergruß. Für die im Lustgarten Versammelten wurde die Zeremonie über Lautsprecher übertragen.
Die Feier machte Müller jedoch nicht zum anerkannten Oberhaupt der Protestanten. Noch am selben Tag wandten sich der bayerische Bischof Hans Meiser, der die Selbstständigkeit seiner Kirche verteidigte, und Hunderte Pfarrer von den Kanzeln gegen ihn. Müller reagierte mit dem Versuch, Meiser und den württembergischen Bischof Theophil Wurm abzusetzen. Beide wurden unter Hausarrest gestellt. Die Geistlichen riskierten ihre Ämter und ihre Freiheit, Gemeindemitglieder versammelten sich vor den Häusern der Bischöfe, und die Proteste weiteten sich aus.
Wenige Wochen später musste Müller zurückweichen: Meiser und Wurm kehrten zu ihren Aufgaben zurück. Die in Dahlem in Berlin versammelte Bekennende Kirche erklärte die Leitung des Reichsbischofs für unrechtmäßig und schuf einen eigenen Kirchenrat. Im Sommer neunzehnhundertfünfunddreißig übertrug das Regime die Kirchenangelegenheiten einem neuen Ministerium und entzog Müller damit faktisch seinen Einfluss. Er versuchte noch, seine frühere Stellung zurückzugewinnen, erhielt jedoch keine Unterstützung und nahm sich bald nach Kriegsende das Leben.
Der Kuppelsaal, in dem er den Eid ablegte, wurde im Krieg schwer beschädigt und später wiederhergestellt. Heute ist er wieder die Predigtkirche einer aktiven Gemeinde. Der Berliner Dom dient weiterhin großen Gottesdiensten der gesamten Kirche, doch eine Bischofskathedra ist hier bis heute nicht entstanden, und das Amt, das Müller unter dieser Kuppel feierlich übernahm, verschwand zusammen mit der Reichskirche.
Praktisch vor Ort
Reguläre Besuchszeiten: Mo–Fr 09:00–18:00, Sa 09:00–17:00, So 12:00–17:00; im Sommer bis 19:00, letzter Einlass 60 Minuten vorher, Gottesdienste und Veranstaltungen haben Vorrang.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Für die Hauptgeschichte genügt die Außenbesichtigung. Betrachten Sie den Innenraum, die Krypta und einen möglichen Aufstieg nach oben als eigenen Besuch und prüfen Sie den Zugang vorher, besonders wenn im Dom ein Gottesdienst oder eine Veranstaltung stattfindet.
