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Nordbahnhof

Die unterirdische Station zeigt, dass die Grenze nicht nur Straßen, sondern auch in Betrieb befindliche Eisenbahntunnel absperrte.

15 Min.
Bahnhof Berlin Nordbahnhof, S-Bahnhof 6
Burkhard Mücke · CC BY-SA 4.0; cropped/resized for app; ShareAlike applies
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Schau dich zuerst um

Worauf achten

  • Linien der Sperrmauern im Zwischengeschoss
  • Ausstellungstafeln zum Geisterbahnhof
  • Ehemalige Fahrkartenschalter
  • Gedenkzeichen für Otfried Reck

Die Geschichte des Ortes

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Am Abend des siebenundzwanzigsten November neunzehnhundertzweiundsechzig brachte der siebzehnjährige Otfried Reck zu einem Lüftungsschacht nahe dem Nordbahnhof ein Brecheisen und eine Taschenlampe mit roter Glühbirne. Reck machte eine Ausbildung zum Tankwart, doch nach seiner jüngsten Haft fürchtete er eine erneute Verhaftung und wollte nach West-Berlin gehen. Sein älterer Freund Gerd P. wollte gemeinsam mit ihm fliehen.

Ein Jahr zuvor war Reck in der Gartenstraße unter Menschen festgenommen worden, die sich an der gerade abgesperrten Grenze versammelt hatten. Ein Gericht der DDR verurteilte den Jugendlichen wegen staatsfeindlicher Äußerungen zu eineinhalb Jahren Haft. Im August neunzehnhundertzweiundsechzig wurde er vorzeitig entlassen. Drei Monate später kehrte er mit einem Brecheisen an dieselbe Grenze zurück.

Den Weg wählten sie aus Kindheitserinnerungen. Otfried und Gerd waren in diesem Viertel aufgewachsen, hatten auf dem Bahngelände gespielt und waren früher durch den Schacht zu den Gleisen hinabgestiegen. Nun verschloss ein Gitter die Öffnung, und unter der Erde verlief eine S-Bahn-Linie, die den nördlichen und den südlichen Teil West-Berlins verband.

Gerade diese Linie machte den Nordbahnhof zu einem Geisterbahnhof. Nach dem dreizehnten August neunzehnhunderteinundsechzig schloss die Führung der DDR die in Ost-Berlin gelegenen Stationen westlicher Strecken. Der Eingang von der Invalidenstraße lag auf der östlichen Seite der Grenze, der Eingang von der Gartenstraße auf der westlichen; die Grenzlinie verlief zwischen ihnen. Die Übergänge wurden zugemauert, Gitter und Alarmanlagen angebracht und auf dem Bahnsteig bewaffnete Posten aufgestellt. Die Züge fuhren weiterhin langsam durch die Station, doch die Türen wurden hier nicht geöffnet. Die Bezeichnung „Geisterbahnhof“ prägten West-Berliner Fahrgäste, die aus den Waggons den leeren Bahnsteig mit den Posten sahen.

Otfried und Gerd wollten das Einzige nutzen, was an dieser geschlossenen Station in Betrieb geblieben war: einen Zug. Sie wollten das Gitter aufbrechen, in den Tunnel hinabsteigen und mit der roten Lampe einen nach West-Berlin fahrenden Zug anhalten. Ein dritter Freund, Michael M., wollte nicht fliehen und blieb oben, um die Lage zu beobachten.

Ein Grenzposten unter den Gleisen hörte ein Geräusch. Als Michael ging, um nachzusehen, was geschah, und nicht zurückkehrte, gaben Otfried und Gerd den Versuch auf. Sie flohen bereits von der Grenze weg, als sie die Verfolgung bemerkten, und versteckten sich auf einer ihnen bekannten Rollschuhbahn in der Nähe. Ein Leutnant der Suchgruppe schoss Otfried in den Rücken. Er starb drei Stunden später im Krankenhaus. Gerd gelang zunächst die Flucht, doch am nächsten Tag wurden er und Michael festgenommen; beide wurden zu drei Jahren Haft verurteilt. Otfrieds Eltern erfuhren erst zwei Tage später vom Tod ihres Sohnes. Im Jahr neunzehnhundertfünfundneunzig wurde der Schütze der unbeabsichtigten Tötung schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Heute halten die Züge wieder am Nordbahnhof. Im Zwischengeschoss sind die Linien der Sperrmauern markiert, die einst die Übergänge durchschnitten, und im Park über dem Tunnel steht ein Gedenkzeichen mit dem Namen Otfried Recks.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort15 Min.
Nächster PunktBesucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer
Eintrittvon außen

Die Ausstellung im Nordbahnhof ist während der Betriebszeiten der Station zugänglich; informieren Sie sich vor einem späten Besuch über den aktuellen S-Bahn-Betrieb.

Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.

Die Station bleibt in Betrieb: Treten Sie von den Treppen und dem Fahrgaststrom weg, bevor Sie den Bericht einschalten und die Ausstellung betrachten.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Gehen Sie zur Kreuzung hinauf und betreten Sie das rostbraune Besucherzentrum.

Stopp 1 von 7Weiter: Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer

Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Berliner Mauer an der Bernauer Straße“ — 7 Stopps, etwa 2 km, etwa 2–3 Std..

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