Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Turm „Alter Peter“
- Figur des Apostels Petrus
- Vier Säulen unter dem Baldachin
Die Geschichte des Ortes
Am Rand einer natürlichen Stadtterrasse steht die Pfarrkirche, und der Anstieg zu ihr ist vom Viktualienmarkt aus deutlicher als vom Marienplatz. Der erste belegte Kirchenbau auf diesem Hügel bestand bereits vor dem Jahr eintausendeinhundertachtzig; die Erzählung von Mönchen, die hier noch vor der Stadt selbst lebten, wird von der Archäologie nicht bestätigt. Im hinteren Bereich des Altars sitzt eine mittelalterliche Figur des Apostels Petrus, und die Schlüssel sowie die päpstliche Tiara zu seinen Füßen erinnern daran, warum er als erster Papst gilt. Von diesem Patron erhielt die Kirche ihren Namen, und der kleine Hügel wurde Petersbergl genannt.
Im Frühjahr neunzehnhundertfünfundvierzig waren in die erhaltenen Wände des Langhauses bereits Löcher für Sprengstoff gebohrt worden. Mehrere Luftangriffe hatten das Dach, die Gewölbe und den oberen Teil des Turms zerstört. Nach dem letzten direkten Treffer standen nur noch der ausgebrannte Turmschaft und ein Teil der Altarwände. Die Finanzverwaltung des Erzbistums und die Denkmalpflege hielten einen vollständigen Wiederaufbau für zu teuer: Der Turm und ein kleiner Chorraum für Gottesdienste sollten erhalten, die übrige Ruine abgetragen werden.
Max Stritter, der Pfarrer der Stadtpfarrei St. Peter, setzte sich für den Erhalt des gesamten Gebäudes ein. Seine Gemeindemitglieder hatten ihre Kirche verloren, und er riskierte, dass es nach der Sprengung nichts mehr zu besprechen geben würde. Stritter hielt den Abriss auf und begann im Jahr neunzehnhundertsechsundvierzig, die Mauern zu sichern. Drei Jahre später starb er plötzlich, ohne die Kirche wiederhergestellt gesehen zu haben.
Die Arbeit führte der neue Pfarrer Max Zistl fort. Er wollte die Pfarrkirche vollständig und in ihrer früheren Gestalt zurückbringen. Als die Finanzverwaltung des Erzbistums nur unter der Bedingung Geld geben wollte, dass der Chorraum durch eine Wand vom übrigen Raum getrennt würde, fand Zistl über den Kultusminister Josef Schwalber einen staatlichen Zuschuss und durch den Oberbürgermeister Thomas Wimmer Hilfe von der Stadt. Der Bayerische Rundfunk sammelte Spenden, und Münchner verschiedener Konfessionen schickten Geld. Im Frühjahr neunzehnhunderteinundfünfzig feierten die Bauarbeiter bereits die Fertigstellung des neuen Dachstuhls.
Die schwierigste Arbeit wartete im Inneren. Der Hochaltar war zerstört, doch seine zentrale Figur hatte man rechtzeitig aus München gebracht. Es ist der sitzende Apostel Petrus, den Erasmus Grasser noch Ende des fünfzehnten Jahrhunderts geschnitzt hatte. Bevor Petrus Christus begegnete, war er Fischer; die Katholische Kirche betrachtet ihn als ersten Papst. Daher kommen die Schlüssel und die päpstliche Tiara an der Statue, daher der Name der Kirche und, nach ihr, Petersbergl, der kleine Petershügel. Warum die ersten Baumeister gerade diesen Heiligen wählten, erklären die schriftlichen Quellen nicht.
Während des Krieges versteckte man die Figur des Petrus in Reit im Winkl und die vier zu seinen Füßen stehenden Kirchenväter in Marquartstein. Am siebzehnten Dezember neunzehnhundertvierundvierzig brachte die Druckwelle das Gewölbe über dem Altar zum Einsturz. Die gesamte hölzerne Säulenkonstruktion blieb unter den Trümmern; über die Steine ragte nur noch das Fundament. Die ausgelagerten Statuen waren erhalten geblieben, doch es gab keinen Ort mehr, an den sie zurückkehren konnten.
Der Architekt Erwin Schleich stellte die Maße des Altars anhand von Fotografien wieder her. Besonders nützlich waren die Aufnahmen eines Mannes namens Wallrab. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Bühnenarbeiter im Residenztheater und fotografierte in seiner freien Zeit ausführlich Barockkirchen. Sein Hobby verschaffte den Bauleuten klare Ansichten eines Innenraums, der nicht mehr existierte.
Anhand der Aufnahmen und des erhaltenen Fundaments errechnete Schleich, dass die vier Säulen unter dem Baldachin vier Meter fünfunddreißig Zentimeter hoch sein mussten. Dann fand man in einem Lager für Kirchenfragmente in Westerham eine alte Säule. Sie war vier Meter zweiunddreißig und einen halben Zentimeter lang. Der Unterschied betrug zweieinhalb Zentimeter. Danach begann man, die übrigen Fragmente in verschiedenen Depots zu suchen und den Altar um die geretteten Figuren herum wieder zusammenzusetzen.
Am siebenundzwanzigsten Juni neunzehnhundertvierundfünfzig wurde der wiederhergestellte Altar geweiht. Max Zistl blieb bis zum Jahr neunzehnhundertdreiundachtzig Pfarrer und erlebte die Rückkehr der Kirche, für die sein Vorgänger zu kämpfen begonnen hatte.
Heute dient St. Peter wieder als Pfarrkirche, und „Alter Peter“ nennen die Münchner ihren Turm. Er steht auf einem natürlichen Vorsprung der Stadtterrasse – vom Viktualienmarkt aus ist der Anstieg deutlicher als vom Marienplatz. Der erste nachweisbare Kirchenbau entstand hier vor dem Jahr eintausendeinhundertachtzig; die Erzählung von Mönchen, die angeblich schon vor der Gründung der Stadt auf dem Hügel lebten, wird von Archäologen nicht bestätigt. Im Zentrum des heutigen Altars sitzt der ursprüngliche mittelalterliche Petrus, der vor den Bombenangriffen ausgelagert worden war. Die Säulen, der Baldachin und ein großer Teil des Raums um ihn herum entstanden erneut dank zweier Pfarrer, eines fremden Fotohobbys und der Trümmerstücke, die man fand, bevor sie weggeworfen wurden.
Praktisch vor Ort
Der Turm und die untere Glocke können ohne Aufstieg besichtigt werden. Der Schrein befindet sich im Inneren der Kirche; bewahren Sie die Ruhe, und betrachten Sie den Besuch der Aussichtsplattform als eigenes Programm.
