Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Das vierstöckige Gebäude der ehemaligen Redaktion
- Davidstern und Ahornblatt an der Fassade
- Rose, Distel, Kleeblatt und Lilie an der Fassade
Die Geschichte des Ortes
Im Jahr eintausendneunhundertsieben brannte am Boulevard Saint-Laurent die Obsthandlung von Hirsch Wolofsky ab. Ihr Besitzer war sieben Jahre zuvor aus Polen gekommen. Dort hatte man ihm die Gewerbelizenz entzogen; in Montreal verdiente er zunächst als Schneider seinen Lebensunterhalt, dann mit dem Verkauf von Obst. Journalismus blieb die Tätigkeit, der er nachgehen wollte, doch die Einnahmen der Obsthandlung bezahlten die Wohnung und die Ware. Das Feuer vernichtete genau diese Einnahmequelle.
Wolofsky erhielt eine Versicherungsentschädigung und investierte sie nicht in ein neues Geschäft, sondern in einen Verlag. Zusammen mit vier Partnern gab er den Keneder Adler heraus – den „Kanadischen Adler“. Die erste Ausgabe erschien am dreißigsten August eintausendneunhundertsieben. Es war eine Wochenzeitung auf Jiddisch, der Alltagssprache vieler Juden, die damals aus Osteuropa kamen.
Die Wahl des Boulevards war genau richtig. Seit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts kamen neue Bewohner vom Hafen hierher, mieteten Zimmer und eröffneten Läden, Werkstätten, Restaurants und Theater. Französischsprachige Viertel lagen weiter östlich, englischsprachige weiter westlich, und der Boulevard Saint-Laurent wurde zum Streifen zwischen ihnen. Daher der Beiname The Main, die verkürzte englische Bezeichnung für „Hauptstraße“. Die Nummerierung der Querstraßen beginnt bis heute am Boulevard Saint-Laurent und trägt den Zusatz „Ost“ oder „West“.
Wolofsky bot den Menschen auf diesem Streifen dazwischen eine Zeitung in ihrer eigenen Sprache an. Seine Partner stiegen bald aus, und er blieb allein für das Unternehmen verantwortlich. Bis eintausendneunhundertzehn wurde der Keneder Adler zu einer Tageszeitung mit rund zehntausend Abonnenten. Dort druckte man lokale Nachrichten und Literatur, erklärte die Ordnung des neuen Landes und machte die Leser sogar mit japanischer Poesie bekannt. Gestützt auf die Redaktion und ihren Leserkreis half Wolofsky bei der Gründung der Jewish Public Library, des Canadian Jewish Congress und des Jüdischen Allgemeinen Krankenhauses.
Im Jahr eintausendneunhundertvierundzwanzig zog die Redaktion in ein gerade errichtetes Gebäude etwas nördlich der Rue Duluth. Die Verlagsgesellschaft blieb bis eintausendneunhundertsiebzig dessen wichtigste Mieterin, und die Zeitung selbst erschien bis eintausendneunhundertachtundachtzig.
Die Redaktion ist nicht mehr hier, doch das vierstöckige Gebäude ist erhalten. Auf seiner Fassade sind nebeneinander ein Davidstern, eine englische Rose, eine schottische Distel, ein irisches Kleeblatt, eine französische Lilie und ein kanadisches Ahornblatt eingemeißelt.
Praktisch vor Ort
Öffentliche Straße in der Stadt. An Festivaltagen sowie bei Straßenarbeiten und Veranstaltungen im Freien sind Sperrungen möglich.
Geprüft: 30. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betrachten Sie die Gebäude am belebten Boulevard vom Gehweg aus und überqueren Sie die Straße nur an den dafür vorgesehenen Stellen. Besuche von Geschäften und des Konzertsaals sind nicht Teil der Route.
