Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Die steinerne Fassade von Haus Nummer 25
- Die benachbarten Steinhäuser
- Den Ausgang der Kanonicza-Straße zum Wawel
Die Geschichte des Ortes
Kanonicza bedeutet wörtlich Straße der Kanoniker. So nannte man die Mitglieder des Domkapitels, eines Rates von Geistlichen an der Wawel-Kathedrale. Das Kapitel wirkte an der Wahl des Bischofs mit und verwaltete kirchlichen Besitz. Seit dem Ende des vierzehnten Jahrhunderts brachte es seine Kanoniker in Häusern am Fuß des Wawel unter; der Straßenname erscheint bereits im Jahr eintausendvierhunderteins in Dokumenten.
Im Jahr eintausendvierhundertfünfzig überließ das Kapitel Haus Nummer fünfundzwanzig dem Kanoniker Jan Długosz. Długosz wirkte als Diplomat, studierte alte Dokumente und schrieb die Annales, eine Geschichte des Königreichs Polen. Dieses Haus war zugleich seine Wohnung und sein Arbeitszimmer. Einkünfte brachte ihm sein Kanonikeramt: die ihm zugeordneten kirchlichen Besitzungen und Zehnten.
Zehn Jahre später starb der Bischof von Krakau. König Kazimierz IV. Jagiellończyk wollte den Bischofssitz seinem Anhänger Jan Gruszczyński übertragen. Der Bischof von Krakau gehörte dem königlichen Rat an, daher ging es in dem Streit auch darum, wer an staatlichen Entscheidungen teilnehmen würde. Nachdem der erste vom Kapitel gewählte Kandidat abgesagt hatte, ernannte Papst Pius II. Jakub z Sienna. Długosz erkannte allein ihn als rechtmäßig an.
Kazimierz befahl, die Anhänger Jakubs auszuweisen und ihr Eigentum zu beschlagnahmen. Im Juni eintausendvierhunderteinundsechzig verließ Długosz die Kanonicza-Straße. Er verlor sein Haus, seinen Arbeitsort und die Einkünfte, die ihm sein Amt gesichert hatte. Danach erlaubte der König zwei seiner Anhänger, die zurückgelassene Wohnung zu plündern. Zwei Jahre lang lebte Długosz zusammen mit dem vertriebenen Anwärter auf den Bischofssitz auf fremden Gütern.
Im Jahr eintausendvierhundertdreiundsechzig einigten sich die Parteien. Jakub verzichtete auf den Krakauer Bischofssitz und wurde später Bischof von Włocławek. Kazimierz erlaubte den Anhängern Jakubs die Rückkehr und stellte ihre Einkünfte wieder her. Das Kapitel bewilligte Długosz zehn Griwna – so hieß damals eine Rechnungsgeldeinheit – für die Reparatur des geplünderten Hauses. Weitere vier Jahre später beauftragte derselbe König ihn mit der Erziehung seiner Söhne.
Długosz arbeitete hier wieder an den Annales und starb am neunzehnten Mai eintausendvierhundertachtzig in diesem Haus. Das steinerne Haus Nummer fünfundzwanzig steht noch immer dort, wo die Kanonicza-Straße zum Wawel führt, und trägt den Namen des Mannes, den man von hier wegen der Entscheidung des Kapitels vertrieb und den man anschließend auf Kosten des Kapitels wieder einziehen ließ.
Praktisch vor Ort
Der Halt auf der Straße ist jederzeit frei zugänglich.
Geprüft: 16. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Kanonicza-Straße ist weiterhin eine Wohn- und Arbeitsstraße. Schauen Sie nur in zugängliche Durchgänge und betreten Sie keine geschlossenen oder privaten Höfe; Museumsräume werden separat besucht.
