Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Gemeinsames Marmorgabmal
- Bleikästen in der Krypta
- Anfangsbuchstaben auf den Deckeln
Die Geschichte des Ortes
Im Jahr eintausendfünfhundertfünfundzwanzig brachte man den Sarg von Philipp dem Schönen, dem verstorbenen Ehemann der kastilischen Königin Juana I. von Kastilien, in die Krypta der Königlichen Kapelle. Aus Tordesillas wurde er heimlich, bei Nacht, fortgebracht. So ordnete es ihr Sohn Karl V., der spätere Kaiser Karl V., an: Er fürchtete, seine Mutter könnte sich widersetzen.
Philipp war neunzehn Jahre zuvor gestorben. Zunächst wollte Juana I. von Kastilien seinen Leichnam selbst nach Granada bringen – so stand es im Testament ihres Mannes. Später ließ sie den Sarg in der Kirche Santa Clara neben dem Palast in Tordesillas und verlangte dort jahrelang, Totenmessen zu halten; sie gab Geld für Kerzen und Gebete aus.
Juana I. von Kastilien erhielt den Beinamen die Wahnsinnige. Historiker streiten bis heute über ihren geistigen Zustand. Sicher ist etwas anderes: Ihr Vater Ferdinand II. von Aragon entzog seiner Tochter unter Berufung auf ihre Krankheit die Regierungsgewalt, und Karl V. hielt seine Mutter weiterhin in Haft. Juana I. von Kastilien blieb dabei die rechtmäßige Königin. Karl V. musste ihren Namen in staatlichen Dokumenten neben den seinen setzen.
Genau deshalb brauchte er diesen Ort. Die Eltern von Juana I. von Kastilien, Isabel I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon, stifteten hier im Jahr eintausendfünfhundertvier die Familiengrablege. Granada beendete ihren zehnjährigen Krieg mit dem letzten muslimischen Staat auf der Iberischen Halbinsel, und die Eheleute wählten die eroberte Stadt für ihre Bestattung. Sie bestimmten Priester, wiesen ihnen Unterhalt zu und befahlen, täglich drei Messen für die verstorbenen Familienmitglieder zu lesen. Der Name der Kapelle war wörtlich zu verstehen: Sie war die Grabeskirche der Monarchen mit eigenem festem Personal.
Im Jahr eintausendfünfhundertachtzehn bestellte Karl V. für diese Kapelle ein gemeinsames Marmorgabmal für Philipp den Schönen und Juana I. von Kastilien. Sein Vater war bereits tot, seine Mutter lebte und trug noch immer die Krone. Mit ihr wurde der Auftrag nicht besprochen. Auf dem steinernen Denkmal platzierte der Sohn die lebende Königin vorab unter den verstorbenen Vorfahren; anschließend nahm er ihr den Sarg ihres Mannes weg und schickte ihn hierher.
Für Juana I. von Kastilien endete die Überführung mit dem Verlust des letzten Gegenstands, über dessen Schicksal sie noch bestimmen konnte. Sie blieb in Tordesillas und starb dort im Jahr eintausendfünfhundertfünfundfünfzig, fast dreißig Jahre nach der heimlichen Fortbringung Philipps des Schönen. Ihr Enkel Philipp II. ordnete später an, den Leichnam seiner Großmutter nach Granada zu überführen.
Die Marmorteile ihres Grabmals kamen aus Italien in Kisten, wurden jahrzehntelang unmontiert gelagert und nahmen ihren heutigen Platz erst im Jahr eintausendsechshundertdrei ein. Darunter befindet sich eine enge Krypta mit den tatsächlichen Särgen. Die Särge von Philipp dem Schönen und Juana I. von Kastilien stehen dort nebeneinander in schlichten Bleikästen; auf den Deckeln stehen nur die Anfangsbuchstaben ihrer Namen.
Praktisch vor Ort
Mo–Sa 10:15–18:30, So und Feiertage 11:00–18:00; geschlossen: Karfreitag, 25. Dezember, 1. Januar; vormittags geschlossen am 2. Januar und 12. Oktober.
Geprüft: 17. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Geschichte ist für die Besichtigung des Innenraums gedacht, die Sie gesondert planen sollten. Sprechen Sie in der Krypta und bei den Denkmälern leise, halten Sie die Schlange nicht auf und beachten Sie die Regeln für Aufnahmen vor Ort.
