Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Alter Brunnen
- Späterer Anbau um den Brunnen
- Neue Mönchsunterkunft
- Tempelhof
Die Geschichte des Ortes
Wat Muen San ist ein aktiver buddhistischer Tempel, der erstmals im Jahr eintausendvierhundertachtunddreißig in Dokumenten erwähnt wurde. Sein Name entstand vor der Umsiedlung der Silberschmiede. Die Tempeltradition verbindet ihn mit dem Hofbeamten Muen Nangsue Wimalakitti, der den Bau des ersten Viharn leitete – einer Halle für gemeinsame Gebete. „Muen“ bezeichnete einen hohen Amtsrang, „San“ eine königliche Botschaft: Der Beamte war für die schriftlichen Angelegenheiten des Hofes zuständig. Von seinem langen Titel blieb der kurze Name des Tempels.
Fünf Jahrhunderte später nutzten Menschen diesen Hof erneut für die Arbeit mit Dokumenten und Nachrichten, doch nun mussten sie sie verbergen. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs richtete das japanische Militär im Wat Muen San ein Feldlazarett ein. Nach dem Scheitern der Offensive auf Imphal in Britisch-Indien brachte man hierher Soldaten, die sich durch Birma zurückzogen. Viele erreichten Chiang Mai mit Malaria und Erschöpfung. Im Tempelhof errichtete man lange Bambusbaracken unter einem Blätterdach sowie einen getrennten Raum für die Verstorbenen. Japanische Kommandeure nahmen Tempel gern in Beschlag: Hier gab es geräumige Gebäude und Brunnen, außerdem rechneten sie damit, dass die alliierte Luftwaffe buddhistische Heiligtümer nicht bombardieren würde.
In der Nähe hielten die Japaner alliierte Kriegsgefangene fest und brachten einige von ihnen in eine städtische Werkstatt, um Lastwagen zu reparieren. Dort arbeitete der Vater des zwölfjährigen Orachun Tanaphong. Er konnte Englisch und wurde deshalb von japanischen Soldaten gezwungen, Gespräche zwischen Gefangenen und thailändischen Mechanikern zu übersetzen. Der Vater bemerkte, dass erkrankte Gefangene nicht mehr in der Werkstatt erschienen. Von ihnen erfuhr er, dass sich im Lager Malaria ausbreitete und sie kein Chinin erhielten.
Der Vater beschloss, den Gefangenen Medikamente zukommen zu lassen. Die Mutter packte Chinin, Obst und selbstgedrehte Zigaretten in eine kleine geflochtene Schachtel, und Orachun fuhr sie im Korb seines Fahrrads durch die Stadt. Das Kind wurde ausgewählt, weil ein Erwachsener in der Nähe des bewachten Lagers sofort Verdacht erregt hätte. Orachun selbst wusste, was ein Fehler kosten konnte: Für den Diebstahl von Armeebenzin konnten japanische Soldaten einen Menschen zwingen, das gestohlene Benzin zu trinken.
Spätere Zeugnisse unterscheiden sich darin, ob die Gefangenen im Wat Muen San selbst oder im benachbarten Wat Sri Suphan festgehalten wurden. In Orachuns Erinnerungen erscheinen zwei Tempel: Einer wurde von dem bewachten Lager genutzt, der andere blieb geöffnet, und in seinem Hof befand sich ein Brunnen. Forschende verglichen alte Fotos und Pläne und bestimmten diesen Brunnen als den Brunnen des Wat Muen San.
Orachun bemerkte, dass ein gefangener Wasserträger regelmäßig mit einer Schulterstange hierherkam. An deren Enden hingen zwei abgeschnittene Benzinkanister. Der Junge ließ die Schachtel neben dem Brunnen zurück und zeigte dem Wasserträger mit Gesten, wo er suchen sollte. Dieser füllte einen Kanister mit Wasser, versteckte die Sendung im zweiten und ging an den Wachen vorbei zurück.
Die Fahrten gingen weiter. Damit er nicht auffiel, kam Orachun im Voraus, stellte sein Fahrrad zwischen die Fahrräder der Kinder und schloss sich den Spielen bei den Tempeln an. Manchmal wartete er zwei oder drei Stunden auf den Wasserträger. Zusammen mit den Medikamenten begann die Familie, Notizen weiterzugeben: Ein Verwandter Orachuns hörte heimlich ausländisches Radio und schrieb Kriegsnachrichten kurz auf.
In der letzten Schachtel lag eine Nachricht über die Kapitulation Japans. Als der Wasserträger sie ins Lager brachte, erfuhren die Gefangenen vom Ende des Krieges früher als ihre Wachen. Ein Jahr später überreichte die britische Regierung der Familie Tanaphong eine dankbare Gedenktafel. Orachun beendete seine Ausbildung, trat in den diplomatischen Dienst ein und vertrat Thailand später in mehreren Ländern.
Die Bambusbaracken und der Raum für die Verstorbenen sind verschwunden; an der Stelle des letzteren steht heute eine neue Mönchsunterkunft. Der Brunnen ist erhalten, obwohl ein späterer Anbau ihn teilweise verdeckt. In einem abgeschnittenen Kanister trug man von hier Wasser fort, im anderen Chinin und eine Nachricht, dass der Krieg zu Ende war.
Praktisch vor Ort
Besuchen Sie den Ort bei Tageslicht; der Hof ist gewöhnlich zugänglich, doch Museum, Säle und Werkstätten können geschlossen sein.
Geprüft: 30. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Dies ist ein aktiver Tempel und ein Ort des Gedenkens; betrachten Sie die Erinnerungsdetails ruhig und machen Sie sie nicht zur Kulisse für inszenierte Fotos.
