Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Fassade des Ungarischen Parlamentsgebäudes
- Lajos-Kossuth-Denkmal
- Eingang zum unterirdischen Mahnmal
- Steinplatten mit Namen
Die Geschichte des Ortes
Hinter der reich verzierten Fassade tagen weiterhin die Abgeordneten des Ungarischen Parlaments, und deshalb dient dieser Platz seit Langem als politische Schwelle der Stadt. Über ihm steht das Lajos-Kossuth-Denkmal, für den oppositionellen Abgeordneten und Journalisten, der eine ungarische Regierung forderte, die einem gewählten Parlament verantwortlich war; seinen Namen erhielt der Platz erst, nachdem die Abgeordneten sich hier niedergelassen hatten. Unter dem südlichen Teil des Platzes wurde der ursprüngliche Belüftungstunnel des Gebäudes in ein unterirdisches Mahnmal mit Steinplatten verwandelt, in die die festgestellten Namen eingraviert sind.
Am Morgen des fünfundzwanzigsten Oktober neunzehnhundertsechsundfünfzig zog eine unbewaffnete Kolonne zum Ungarischen Parlamentsgebäude. Zwei Tage zuvor war eine Studentendemonstration zu einem Aufstand gegen die alte Ordnung geworden. Nun wollten die Menschen Imre Nagy Forderungen übergeben – dem reformorientierten Ministerpräsidenten, der sich um einen Waffenstillstand und politische Zugeständnisse bemühte.
Zu den Studenten stießen Arbeiter aus den Außenbezirken, die wegen des stillstehenden Verkehrs nicht zu ihrer Schicht gelangt waren, und Einwohner, die zu Fuß zur Arbeit gingen. Beim Hotel Astoria kamen die Demonstranten mit den Besatzungen sowjetischer Panzer ins Gespräch. Einige Besatzungen erklärten sich bereit, gemeinsam mit der Kolonne zum Ungarischen Parlamentsgebäude zu fahren. An den Türmen befestigte man ungarische Flaggen, Menschen kletterten auf die Panzerung. In der Menge verbreitete sich die Nachricht, die Soldaten würden nicht mehr schießen.
Auf dem Platz warteten bereits Tausende Menschen. Sie wählten eine Delegation, die das Gebäude betreten sollte. Viele hofften, Imre Nagy werde zu ihnen herauskommen, obwohl er sich zu dieser Zeit in der Parteizentrale in der benachbarten Akadémia utca befand. Die Parlamentswache ließ die Delegierten nicht durch, doch die Demonstranten sprachen weiter mit den Panzerbesatzungen und schoben ihnen Flugblätter durch die Luken.
Dann wurde das Feuer eröffnet. Die genaue Quelle der ersten Schüsse blieb jahrzehntelang umstritten. Nach der heute überzeugendsten Rekonstruktion gab Zoltán Szalai den Befehl – ein Oberstleutnant der ungarischen Staatssicherheit, der die Grenztruppen befehligte, die zum Schutz des Regierungsviertels entsandt worden waren. Seine Gruppe bezog beim gegenüberliegenden Landwirtschaftsministerium Stellung und beschoss mit einem Maschinengewehr die Panzer, auf denen Demonstranten saßen.
Die Panzerbesatzungen erwiderten das Feuer auf die Gebäude. Andere gepanzerte Fahrzeuge, die von Seitenstraßen auf den Platz einfuhren, begannen ebenfalls zu schießen. Menschen legten sich auf den Rasen nahe dem Ferenc-Rákóczi-Denkmal und an der Straßenbahnhaltestelle. Das Feuer kam aus verschiedenen Richtungen, weshalb die Aussagen der Überlebenden einander lange widersprachen.
Der sechzehnjährige Gymnasiast Tibor Galántai holte am Morgen einen Klassenkameraden ab und lud ihn zu der Demonstration am Ungarischen Parlamentsgebäude ein. Die Eltern ließen den Freund nicht mitgehen, und Tibor ging allein. Hier kam er ums Leben. Inzwischen haben Forscher die Namen von zweiundneunzig Toten bestätigt; die endgültige Zahl ist weiterhin unbekannt. Es gab etwa dreihundert Verletzte.
Die Nachricht vom Massaker verbreitete sich rasch in Budapest und verstärkte den bewaffneten Widerstand. Zoltán Szalais Karriere entwickelte sich anders: Für seinen Dienst im Jahr neunzehnhundertsechsundfünfzig wurde er ausgezeichnet, und später leitete er die ungarische Strafvollzugsverwaltung.
Die Menschen kamen genau hierher, weil in diesem Gebäude das Ungarische Parlament tagte und bis heute tagt. Bis neunzehnhundertsiebenundzwanzig hieß der Platz Parlamentsplatz. Danach errichtete man hier das Lajos-Kossuth-Denkmal, und der Stadtrat gab dem gesamten Platz seinen Namen.
Lajos Kossuth war oppositioneller Abgeordneter und Journalist und forderte eine ungarische Regierung, die einem gewählten Parlament verantwortlich war. Während der Revolution von achtzehnhundertachtundvierzig wurde er Finanzminister und führte danach Ungarn im Unabhängigkeitskrieg gegen die Habsburger. Im heutigen Gebäude tagte Lajos Kossuth nicht: Er starb acht Jahre bevor die Abgeordneten hierher umzogen.
Unter dem südlichen Teil des Platzes ist der ursprüngliche Belüftungstunnel des Ungarischen Parlamentsgebäudes erhalten geblieben. Heute befindet sich darin ein Mahnmal für das Massaker: dreihundert symbolische Steinplatten, in einen Teil von ihnen sind die festgestellten Namen eingraviert. Von den Panzern, den Feuerstellungen und der auf dem Rasen Schutz suchenden Menge weist an der Oberfläche sonst nichts mehr auf etwas hin.
Praktisch vor Ort
Der Platz ist von außen erlebbar; Einlass in das Ungarische Parlamentsgebäude nur nach Zeitplan, mit Sicherheitskontrolle und möglichen protokollarischen Schließungen.
Geprüft: 25. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Fassade und der Platz sind von außen zugänglich; planen Sie einen Besuch im Inneren gesondert ein und berücksichtigen Sie die Sicherheitskontrolle und mögliche Einschränkungen.
