Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Gotische Fassade von Ter Beurze
- Fassaden der Häuser der Nationen
- Steininschrift am genuesischen Haus
Die Geschichte des Ortes
Der schmale Knick der Straßen vereint die gotische Fassade von Ter Beurze und die Häuser dreier Handelsgemeinschaften. Die Italiener ließen sich hier langfristig nieder, unterhielten eigene Häuser für anreisende Landsleute und führten von dort aus gemeinsame Geschäfte. Die Adresse bot einen praktischen Vorteil: Hier kamen Käufer, Makler und Informationen über den Wert von Wechseln zusammen. Die heutige Fassade von Ter Beurze wurde nach dem Zweiten Weltkrieg anhand alter Darstellungen und Mauerwerksspuren rekonstruiert, und am genuesischen Haus blieb eine eingemeißelte Aussage der Auftraggeber selbst erhalten.
Im Jahr eintausendzweihundertfünfundachtzig führte Robert van der Buerse an dieser Ecke ein Gasthaus. Er verdiente an anreisenden Kaufleuten, beschränkte sich aber nicht auf die Übernachtung: Er half Ausländern, Geschäfte abzuschließen, erklärte die örtlichen Regeln, gab kaufmännischen Rat und verkaufte selbst Waren als Vermittler. Ein Fehler hätte ihn das Vertrauen seiner Kunden und seinen eigenen Handelsverdienst gekostet; deshalb diente der Familienname des Gastgebers hier fast als Empfehlung.
Mit Aktien handelte man damals nicht. Die Kaufleute einigten sich über Warenpartien, tauschten Münzen und bestimmten den Wert von Wechseln – schriftlichen Anweisungen, Geld in einer anderen Stadt auszuzahlen, oft in einer anderen Währung. Später wurden auf dem Platz vor dem Gasthaus die Kurse solcher Papiere täglich festgesetzt, und Brügger Makler teilten sie ihren italienischen Kollegen mit. Im Jahr eintausenddreihundertzwei kaufte ein Geldwechsler das Eckhaus: Der Eigentümer wechselte, das Geldgeschäft des Ortes blieb.
Die van der Buerse stiegen in die Spitze der Brügger Gesellschaft auf; Vertreter der folgenden Generationen wurden Stadträte und Bürgermeister. Ihr Familienname ging zunächst auf den Gasthauskomplex und den Treffpunkt über, dann auf den Handel selbst. Von hier aus verbreitete sich das niederländische Wort „beurs“ in die europäischen Sprachen; auch das russische „birzha“ gehört zu derselben Wortfamilie. Deshalb nennt man den Knick der Straßen, der niemals ein geräumiger regelmäßiger Platz war, Oude Beursplein – Alter Börsenplatz.
Die italienischen Kaufleute waren hier mit der Zeit keine vorübergehenden Gäste mehr. Genuesen, Florentiner und Venezianer schlossen sich zu Handelsnationen zusammen. Das waren Gemeinschaften von Landsleuten mit eigenen Vertretern und Häusern, in denen sie gemeinsame Geschäfte führten und anreisende Landsleute aufnahmen. Solche Vertretungen nahe Ter Beurze zu unterhalten, war praktisch: Nur wenige Schritte trennten das eigene Haus von Maklern, Käufern und dem aktuellen Wechselkurs.
Die Venezianer pachteten ab eintausenddreihundertsiebenundneunzig das frühere Gasthaus der van der Buerse und nutzten es mehr als ein Jahrhundert lang. Genuesische Kaufleute errichteten im Jahr eintausenddreihundertneunundneunzig die benachbarte Loge, und die Florentiner bezogen ungefähr ab eintausendvierhundertzwanzig das Eckhaus gegenüber. So entstanden die Häuser der Nationen rund um den Ort, an dem ein Gasthausbesitzer zu einem vertrauenswürdigen Vermittler geworden war.
Als die wichtigsten Handelsströme nach Antwerpen abwanderten, zogen auch die Makler ihnen nach. Die heutige gotische Fassade von Ter Beurze stammt nicht aus Roberts Zeit: Sie wurde im Jahr eintausendneunhundertsiebenundvierzig nach alten Darstellungen und gefundenen Mauerwerksspuren rekonstruiert. Am genuesischen Haus hat sich eine unmittelbarere Aussage über jene erhalten, die hier tätig waren: Eine Steininschrift berichtet, dass die in Brügge lebenden Kaufleute aus Genua dieses Gebäude im Jahr eintausenddreihundertneunundneunzig errichten ließen.
Praktisch vor Ort
Frei zugänglicher Außenraum; die Geschäfte und Museen im Inneren rundherum haben eigene Öffnungszeiten.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Bleiben Sie am Rand des Platzes und lassen Sie Türen und Durchgänge frei. Alle wichtigen Zusammenhänge erschließen sich über das äußere Erscheinungsbild und die Lage der Gebäude; ein besonderer Eingang ist für den Abschluss des Rundgangs nicht nötig.
