Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Nummer 6 über dem Eingang
- Fünfstöckige Fassade
- Reihe von Wohnhäusern
Die Geschichte des Ortes
Das heutige fünfstöckige Mehrfamilienhaus bei Nummer sechs steht auf dem Grundstück, auf dem früher ein vierstöckiges Haus stand. Es gehört zu einer langen Reihe ähnlicher Wohnfassaden, doch die Eigentümer solcher Häuser stellten bisweilen Räume für Unterricht, Büros und Clubtreffen bereit. Drinnen versammelten sich Schüler, Lehrerinnen und Nachbarn, obwohl diese Häuserzeile von der Straße aus fast gleichförmig wirkt. An den früheren Bau erinnert nur die Nummer über dem Eingang.
Der Name Marlborough kam in Boston früher auf als diese Straße. Seit siebzehnhundertacht bezeichnete er einen Straßenabschnitt im alten Stadtzentrum – nach John Churchill, 1. Duke of Marlborough, dem Befehlshaber der britischen Truppen im Spanischen Erbfolgekrieg. Nach seinem Sieg über die französische Armee bei Blenheim kannte die ganze englische Welt seinen Titel. Im Jahr achtzehnhundertvierundzwanzig wurde jener Abschnitt in die Washington Street einbezogen. Als die Planer die Straßen von Back Bay auf den Plan von achtzehnhundertsechsundfünfzig zeichneten, gaben sie den verschwundenen Namen dieser Straße zurück.
An ihren Fassaden wirkt die Marlborough Street wie eine Wohnhäuserzeile. Doch in einigen solcher Häuser eröffneten die Eigentümer Schulen, Büros und Clubs. Im Haus Nummer sechs erprobte Pauline Agassiz Shaw, eine Bildungsreformerin, eine Unterrichtsmethode, die sie an die städtischen Schulen weitergeben wollte.
Shaw konnte das Experiment selbst finanzieren. Das Familienvermögen stammte von einem Kupferunternehmen, das ihr Mann leitete, einer der reichsten Unternehmer Bostons. Im Jahr achtzehnhundertzweiundachtzig kaufte Pauline Agassiz Shaw ein vierstöckiges Haus an der Marlborough Street und richtete dort eine Tagesschule für ihre Kinder und die Kinder der Nachbarn ein. Jungen und Mädchen lernten in allen Klassen gemeinsam – für eine private Bostoner Schule jener Zeit war das eine mutige Regelung.
Geld löste nur die Hälfte der Aufgabe. Für die neuen Kindergärten wurden ausgebildete Erzieherinnen benötigt. Bis zum Jahr achtzehnhundertsiebenundachtzig eröffnete Shaw in diesem Haus einen Ausbildungskurs und übertrug ihn Laura Fisher, einer Lehrerin, die Frauen auf die Arbeit mit Vorschulkindern vorbereiten sollte.
Gleichzeitig unterhielt Shaw kostenlose Kindergärten in verschiedenen Stadtvierteln Bostons: Sie zahlte Gehälter, kaufte Materialien und bezahlte Räume. Von achtzehnhundertzweiundachtzig bis achtzehnhundertneunundachtzig unterstützte sie einunddreißig Einrichtungen und gab mehr als zweihunderttausend Dollar aus. Im Jahr achtzehnhundertachtundachtzig überzeugte Shaw den städtischen Schulausschuss, die Ergebnisse zu überprüfen. Nach der Überprüfung übernahm die Stadt vierzehn ihrer Kindergärten und begann, sie aus dem Haushalt zu finanzieren.
Laura Fisher verlegte die Ausbildung der Erzieherinnen aus dem Haus an der Marlborough Street an die Boston Normal School – so nannte man damals eine Lehrerausbildungsstätte. Im Jahr achtzehnhundertvierundneunzig ernannte der Schulausschuss sie zur ersten städtischen Leiterin der Kindergärten. Sie bekleidete dieses Amt zwölf Jahre lang, kehrte dann in dieselbe Straße zurück und eröffnete im Haus Nummer zweihundertzweiundneunzig ihre eigene Schule für Erzieherinnen.
Das alte Haus Nummer sechs wurde im Jahr neunzehnhundertvierundzwanzig abgerissen. Auf seinem Grundstück errichtete man das fünfstöckige Mehrfamilienhaus, das heute hier steht. Von Pauline Agassiz Shaws Klassen ist nichts erhalten; nur die frühere Nummer über dem Eingang markiert ihren genauen Standort.
Praktisch vor Ort
Wohnstraße; Außenbesichtigung vom Gehweg aus.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Dies ist eine Wohnstraße, kein Museumskorridor: Betrachten Sie die Häuser vom Gehweg aus, gehen Sie nicht zu den privaten Eingängen hinauf und rechnen Sie nicht damit, historische Innenräume zu sehen.
