Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Die Backsteinfassade des Rathauses
- Die Rathausuhr
- Das graue Gebäude Dagmarhus
Die Geschichte des Ortes
Der Rathausplatz hat zwei auffällige Ränder: die Backsteinwand des Rathauses mit den Uhren und das graue Dagmarhus gegenüber. In der Mitte des Platzes erhoben sich während des Krieges Erdwälle, die Luftschutzbunker für den Fall eines Luftangriffs umgaben. In den Räumen von Dagmarhus befanden sich die deutsche Verwaltung und die Geheimpolizei. Die Wälle sind längst entfernt, und in dem Haus, in dem diese Einrichtungen saßen, werden heute Filme gezeigt.
Im Backsteinrathaus arbeitet weiterhin die Stadtverwaltung von Kopenhagen, und vor seiner Fassade finden stadtweite Feste, Konzerte und feierliche Zusammenkünfte statt. Der Platz erhielt seinen heutigen Namen im Jahr eintausendachthundertdreiundneunzig, als hier nach einem Entwurf von Martin Nyrop ein neues Rathaus gebaut wurde. Zuvor war dies der Heumarkt, und noch früher verliefen an seinem Rand das Westtor, ein Wall und ein Graben. Nach dem Abbruch der Befestigungen entstand vor dem ehemaligen Eingang zur Altstadt ein offener Raum, der eine große Menschenmenge fassen konnte.
Am neunten April neunzehnhundertfünfundvierzig jährte sich die deutsche Besetzung Dänemarks zum fünften Mal. Die Widerstandsbewegung rief die Einwohner dazu auf, mittags zwei Minuten lang zum Gedenken an die Toten innezuhalten. Für einen Angestellten, Verkäufer oder Straßenbahnfahrer bedeutete die Teilnahme, die Arbeit vor den Augen der Patrouillen zu unterbrechen. Nach der Verhaftung dänischer Polizisten kontrollierte das HIPO-Korps die Straßen – dänische Kollaborateure, die die Besatzer für den Kampf gegen den Untergrund in eine Hilfspolizei aufgenommen hatten.
Die Menschen versammelten sich genau hier, unter der Rathausuhr. Am anderen Ende des Platzes stand Dagmarhus, ein graues Gebäude, das von der deutschen Verwaltung und der Geheimpolizei genutzt wurde. Als die Uhr zwölf schlug, erstarrte die Menge und wandte Dagmarhus den Rücken zu.
Noch bevor die zwei Minuten vorüber waren, begann HIPO, den Platz abzufahren und mit automatischen Waffen zu schießen. Die Menschen stürzten zu den Erdwällen um die Luftschutzbunker, die für den Fall eines Luftangriffs in der Platzmitte angelegt worden waren. Innerhalb weniger Minuten erreichten die Schützen ihr nächstes Ziel: Das Schweigen war gebrochen, der Platz leer.
Weniger als einen Monat später kapitulierten die deutschen Truppen in Dänemark. Das HIPO-Korps hörte auf zu existieren; viele seiner Angehörigen erhielten nach der Befreiung lange Haftstrafen. Die Einwohner füllten den Rathausplatz erneut, nun um das Ende der Besetzung zu feiern.
Die militärischen Schutzbunker und Erdwälle wurden später entfernt. Die Rathausuhr blieb über dem Platz, und Dagmarhus steht noch immer an derselben Ecke: In dem Gebäude, von dem sich die Menschen damals abwandten, befindet sich heute ein Kino.
Praktisch vor Ort
Der Platz bleibt ein belebter Verkehrsknotenpunkt, daher lässt es sich abseits der Hauptströme angenehmer zuhören. Die Weltuhr befindet sich im Rathaus und erfordert einen gesonderten Zugang.
